Bezüglich der Sichtbarkeit oder Wahrnehmbarkeit von Säugetieren haben alle Wälder der Erde gemeinsam,
dass man sie kaum zu sehen bekommt. Das lässt sich ganz einfach statistisch begründen, d.h. sie treten
im Vergleich z.B. mit Insektenarten überall wesentlich seltener auf. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht
darin, dass einige Säugetierarten unterschiedliche Klimazonen gleichzeitig besiedeln können (z.B.
Wildschweine, Tiger, Affen).
Und das wars auch schon mit den Säuger-Gemeinsamkeiten verschiedener Klimazonen, denn beim Thema
Artenvielfalt sind natürlich erwartungsgemäß die Tropen unschlagbar. Allein in dieser Region gibt es
weltweit über 400 Arten-Vertreter. Davon möchte ich im Folgenden einige kurz vorstellen. Der
berühmt-berüchtigte Sumatra-Tiger ist mir (zum Glück) nicht begegnet. Er soll aber noch im Gunung Leuser
Nationalpark vorkommen. In Regenwäldern sind ansonsten Affen-Begegnungen am wahrscheinlichsten.
Geheime Existenzen
Die Inventur der Säugetierarten ist abgeschlossen. Das glaubten zumindest die meisten Biologen. Doch
inzwischen ist in Regenwäldern eine Vielzahl von Geschöpfen aufgetaucht, deren Existenz niemand erwartet
hatte oder die, wie die Borneo-Rotkatze, als verschollen galten. Seither halten Forscher alles für
möglich. Sogar, dass sich in der dichten Vegetation tatsächlich manche Kreaturen verbergen, von denen
die Legenden der Naturvölker erzählen.
Unter allen Tieren sind die Säuger am besten bekannt. Deshalb glaubten Biologen bis vor einiger Zeit
auch, in dieser zoologischen Gruppe sei mit Überraschungen nicht mehr zu rechnen. Doch mittlerweile
haben viele ihre Meinung geändert und erwarten, dass vor allem tropische Regenwälder noch eine Menge
Novitäten bereithalten. Tatsächlich haben Kryptozoologen, die noch nie gesehen, oft nur aus Legenden
bekannten Spezies auf der Spur sind, in den vergangenen Jahren bereits Erstaunliches zutage gefördert.
Gerettetes Jung-Faultier in einer Aufzuchtstation, Apetina, Surinam
Frucht-Flughund (Megachiroptera), Insel Batanta, West Papua, Indonesien
Jaguar am Ufer des Courantyne-River, dem Grenzfluss zwischen Guyana und Surinam
Ein Rotgesicht-Klammeraffe, Ateles paniscus, Südwest-Surinam
Niedlicher Guyana-Totenkopfaffe, Saimiri sciureus
Faultiere - zu langsam für den Klimawandel
Sie werden wohl zu Opfern der Erderwärmung werden. Zumindest, wenn sie im Hochland Südamerikas
leben. Das liegt daran, dass ihnen eine bestimmte Eigenschaft fehlt.
Faultiere sind zwar nicht faul - aber sehr langsam. Wahrscheinlich zu langsam, um mit dem
Klimawandel mitzuhalten. Wird es wärmer, beschleunigt sich auch der Energieverbrauch von Faultieren.
Ihre Verdauung läuft aber nicht entsprechend schneller ab, sodass es zu einem Energiedefizit kommt.
Zudem können Faultiere ihre Körpertemperatur nicht wie andere Säugetiere durch Schwitzen oder
Hecheln regulieren.
Faultiere, die im südamerikanischen Tiefland leben und deshalb immer wieder mit hohen Temperaturen
konfrontiert werden, haben deshalb einen Mechanismus entwickelt, den man auch von anderen Tieren
kennt: Sie verlangsamen ihren Stoffwechsel aktiv, fallen sozusagen in eine Art “Sommerschlaf“. So
können sie warme Temperaturen überstehen, ohne zu verhungern.
Faultiere, die in den Bergen und dem Hochland Südamerikas leben, haben diese Fähigkeit zur Anpassung
an hohe Temperaturen jedoch nicht. Wird es wärmer, beschleunigt sich ihr Energieverbrauch. Sie
können nicht gegensteuern aber auch nicht schneller Nahrung verdauen. Es kommt also zu einem
Energiedefizit, welches die Tiere schwächen und tödlich enden kann.
Wissenschaftler gehen nach Berechnungen des Energiebedarfs der Tiere davon aus, dass die
Hochland-Faultiere im Klimawandel keine Chance haben, sollte es zum prognostizierten
Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 kommen. Die im Tiefland lebenden Tiere können immerhin noch auf
höhere Regionen ausweichen.
Faultiere sind aufgrund ihres langsamen Stoffwechsels und ihrer einzigartigen Unfähigkeit, die
Körpertemperatur effektiv zu regulieren, im Gegensatz zu den meisten Säugetieren von Natur aus
eingeschränkt.