Das Bergland von Guayana

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Auch als "Guayana-Schild" bezeichnet

Hier soll es um das zu unrecht wenig beachtete geologische Hochland im Nordosten Südamerikas, einschließlich Französisch-Guayana, Surinam, Guyana, Venezuela sowie Teilen Kolumbiens und Brasiliens (s. Karte) gehen. Konkret handelt es sich um ein Ur-Gebirge, das vor etwa 1,7 Milliarden Jahren (Präkambrium) entstanden ist, als Resultat von tektonischen Prozessen der Gesteinsbildung und Hebung aufgrund der Kontinentalplatten-Wechselwirkung zwischen Südamerika und Afrika, die zu diesem Zeitpunkt noch als westlicher Teil des Urkontinents Gondwana vereint waren. Somit stellt es eine der ältesten geologischen Einheiten der Erde dar, die während ihrer Anfangsphase so mächtig wie die Alpen waren.

Diese geologische Ur-Formation ist sozusagen hauptverantwortlich dafür, dass dieser Teil von Südamerika in seinem Erscheinungsbild etwas “aus der Rolle fällt”. Allerdings ist heute von dem einst so mächtigen Gebirge aufgrund von Erosionswirkung nicht mehr viel übrig, so dass der größte Teil dieses Gebietes flach bis hügelig ausfällt, vor allem im Osten. Nur im Westen, dem eigentlichen Hochland (als Hochland von Guayana oder Gran Sabana bezeichnet) existieren noch beeindruckende, fast 3000 m hohe Tafelberg-Sandsteinformationen. Gemäß der einheimischen Pemón-Indianersprache werden sie auch Tepuis genannt. Sogar Zentral-Surinam verfügt über so ein Tafelberg-Massiv, welches mit seinen “nur” 1000 Höhenmetern und vom Urwald überwuchert fast in der Landschaft untergeht. All diese Hochebenen sind aus ökologischer Sicht besonders, denn auf ihren Hochplateaus konnte sich aufgrund der über Millionen von Jahren anhaltenden Isolation eine einzigartige und eigentümliche Flora und Fauna ausbilden. Ein Großteil dieser Tiere und Pflanzen sind zudem endemische Arten.

Politisch gehört der westliche Teil vom Guayana-Schild zu Venezuela, wo ein großer Teil durch den Nationalpark Canaima geschützt wird, der von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt wurde. Der südliche Teil des Guayana-Schildes gehört zu Brasilien. Den Hauptteil teilen sich die drei Guayanas: Französisch-Guayana, Surinam (früher Niederländisch-Guayana) und Guyana (früher Britisch-Guayana). Sie waren bis in die 1960er Jahre die letzten europäischen Kolonien auf dem südamerikanischen Festland. Leider liegen im Boden des Gebiets zahlreiche begehrte Mineralien, u.a. Diamanten, Gold, Bauxit und Phosphate. Sie erlangen zunehmend das Interesse zum Abbau – häufig ohne jegliche Kontrolle bzw. illegal.

Dem Guayana-Schild kommt übrigens noch die Hauptverantwortung für ein weiteres Phänomen zu, die Ausbildung vereinzelter, vom Regenwald umschlossener flacher Savannen-Landschaften. Mehr dazu ➔ HIER

Die umrandete Ur-Gebirgs-Region Guayana-Schild. Etwa mittig befindet sich das sogenannte Hochland von Guayana.

Im Großteil vom Guayana-Schild ist das vorherrschende Landschaftsbild flach, hügelig, felsig oder mittelgebirgs-artig.

Ausblick vom Mont Mitaraca (Massif du Mitaraka) im äußersten Südwesten von Franz. Guayana ➔ 2°17'21.1"N 54°31'20.7"W

An der östlichen Atlantikküste bestimmen Felsen häufig das Bild. Der vom Amazonas ins Meer gespülte Schlamm wird hier von der Meeresströmung nordwärts vorbei transportiert.

Der nördliche Bereich der Atlantikküste ist geprägt von großen, mehrere Kilometer breiten Schlamm-Ablagerungen, hauptsächlich aus dem Amazonas-Fluss.

Der abrupte Übergang vom Regenwald zur Sipaliwini-Savanne im Südwesten von Surinam. ➔ 2°01'36.1"N 56°07'34.2"W

Beeindruckende, fast 3000 m hohe Tafelberg-Formationen im Nationalpark Canaima, Venezuela, einem Teil der Gran Sabana ➔ 5°57'21.9"N 62°32'20.1"W

Das einzige, bis 1000 m hohe Tafelberg-Massiv in Zentral-Surinam

Die Tafelberg-Attraktion in Guyana mit dem Kaieteur-Wasserfall, der von der Sandstein-Klippe 226 m in die Tiefe stürzt.